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Engineering für technische Keramik

Konstruieren mit technischer Keramik erfordert mehr als Werkstoffwissen – es braucht tiefes Prozessverständnis, enge Zusammenarbeit und Engineering-Erfahrung. Wir begleiten Sie von der ersten Skizze bis zur ausgereiften, kostenoptimierten Konstruktion, die sich wirtschaftlich in Keramik fertigen lässt.

Durchleuchtetes Bauteil aus technischer Keramik mit einem durchgehenden Riss durch mehrere Bohrungen – Folge einer nicht keramikgerechten Konstruktion

Teure Fehler vermeiden

Die typischen Anfangsfehler müssen Sie nicht selbst machen.

Risse wie dieser entstehen oft durch eine Konstruktion, die nicht keramikgerecht ist. Wenn Sie uns einbinden, profitieren Sie von unserer Erfahrung: Als Ihr Partner helfen wir Ihnen, diese Fehler von Anfang an zu vermeiden – damit Ihr Keramikbauteil gleich beim ersten Mal funktioniert.

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Warum Konstruieren mit Keramik anders ist

Keramik schwindet beim Sintern – um bis zu 30 %. Diese Schwindung verläuft nicht immer gleichmäßig: Sie hängt von der Geometrie, den Wandstärken und davon ab, wie das Bauteil beim Brennen aufliegt. Dünne Wände schwinden oft schneller, Asymmetrie kann zu Verzug führen.

Häufig kommen Kunden mit einem Bauteil zu uns, das ursprünglich für Metall konstruiert wurde. Diese Konstruktion einfach zu übernehmen, funktioniert in der Regel nicht. Drei Grundsätze müssen dabei berücksichtigt werden:

Symbol: Checkliste für die Anforderungen der Anwendung an die Keramik

Welche Eigenschaften erfordert die Anwendung?

Die wichtigsten funktionalen Anforderungen Ihrer Anwendung bestimmen, welchen keramischen Werkstoff (oder welche Werkstoffkombination) wir einsetzen.

Symbol: Messschieber mit Zahnrad für Maßtoleranzen

Toleranzen

Die geforderten Maßtoleranzen bestimmen das Formgebungsverfahren. Werden Toleranzen unter 0,1 mm benötigt, ist die Hartbearbeitung durch Schleifen die einzige praktikable Lösung.

Symbol: steigendes Balkendiagramm für die geplante Stückzahl

Geplante Stückzahl

Die erwartete Stückzahl beeinflusst den Fertigungsweg. Der 3D-Druck eignet sich ideal für Prototypen und Kleinserien; mit steigenden Stückzahlen wird das Fräsen wirtschaftlicher.

Keramikgerechte Konstruktion: kompakter Absatz richtig, dünner, spitz vorstehender Steg falsch

Scharfe, vorstehende Geometrien vermeiden

Bei der Grünbearbeitung sind dünne oder ungestützte Strukturen empfindlich und brechen leicht. Beim Sintern verformen sich solche Elemente wegen ihrer geringen Steifigkeit häufig. Das einzige Verfahren, das Vorsprünge in gewissem Umfang zulässt, ist die Hartbearbeitung (Schleifen).

Keramikgerechte Konstruktion: dünne Stege zwischen dicken Platten falsch, gleichmäßige Wandstärken mit großzügigen Radien richtig

Dünne und ungleichmäßige Wandstärken vermeiden

Dünne Wände schwinden beim Sintern meist schneller – das führt zu Verzug. Halten Sie die Wandstärken nach Möglichkeit gleichmäßig, besonders dort, wo Wände aufeinandertreffen.

Lässt sich ein Übergang von dünnen zu dicken Querschnitten konstruktiv nicht vermeiden, sehen Sie großzügige Radien vor: Sie entschärfen den Querschnittssprung und verringern Spannungskonzentrationen beim Sintern.

Keramikgerechte Konstruktion: Stütze, die die Last als Druckspannung aufnimmt, richtig – gerade Stütze unter Zugspannung falsch

Zugspannungen minimieren

Keramik verträgt Druckspannungen bis zu zehnmal besser als Zugspannungen. Eine gute Konstruktion wandelt Zug- wo immer möglich in Druckspannungen um und erhöht so die Lebensdauer.

Keramikgerechte Konstruktion: symmetrisches Profil richtig, asymmetrisches Profil falsch

Symmetrie nutzen

Symmetrische Bauteile verteilen die Spannungen beim Sintern gleichmäßig und beugen Verzug und Verformung vor.

Keramikgerechte Konstruktion: kompakte Form richtig, langer, schlanker Stab mit extremem Seitenverhältnis falsch

Extreme Seitenverhältnisse vermeiden

Große Unterschiede in den Abmessungen (z. B. Länge zu Breite) verringern die Formstabilität beim Sintern und begünstigen Durchbiegung.

Diese Werte sind typische Konstruktionsgrenzen für den stereolithografiebasierten 3D-Druck technischer Keramik. Was im Einzelfall machbar ist, hängt auch von Bauteilgeometrie und Bauteilausrichtung ab. Im Zweifel fragen Sie unser Engineering-Team.

DarstellungEigenschaft / AnforderungWert
Skizze: maximale Bauteilabmessungen in X-, Y- und Z-Richtung (Bauraum)Bauraum (max. Bauteilgröße)X: 74 mm / Y: 41 mm / Z: 80 mm
Skizze: Bauteil mit gebogenem Innenkanal, Pfeile markieren den kleinsten druckbaren KanaldurchmesserKleinster druckbarer Kanal (Durchmesser)1 mm
Skizze: kurze, gerade Bohrung in einem dünnwandigen Bereich, Pfeile markieren den kleinsten druckbaren DurchmesserKleinste druckbare Bohrung in dünnwandigen Bereichen0,1 mm
Skizze: Bauteil mit Pfeilen an der maximalen WandstärkeMaximale Wandstärke10 mm
Skizze: dünne, freistehende Wand ohne Stützstruktur, Pfeile markieren die minimale WandstärkeMinimale Wandstärke (freistehende Wand)0,5 mm
Skizze: senkrecht gedrucktes Rohr, Pfeile markieren die minimale Wandstärke einer selbsttragenden WandMinimale Wandstärke (selbsttragend, z. B. Rohr)0,3 mm
Skizze: Bauteil mit gestrichelten Pfeilen an der Wand für den optimalen WandstärkenbereichOptimale Wandstärke1–3 mm
Skizze: einseitig freier Überhang ohne Stützstruktur, Pfeile markieren die maximale ÜberhanglängeFreier Überhang, einseitig (ohne Stützstruktur)bis 2 mm
Skizze: beidseitig aufliegende, freie Überbrückung ohne Stützstruktur, Pfeile markieren die maximale SpannweiteFreie Überbrückung, beidseitig aufliegend (ohne Stützstruktur)bis 3 mm
Skizze: schräger Überhang ohne Stützstruktur, ein Bogenpfeil markiert den maximalen ÜberhangwinkelMaximaler Überhangwinkel (ohne Stützstruktur)70°
Skizze: zwei benachbarte Zylinder, Pfeile markieren den Mindestabstand zwischen FormelementenMindestabstand zwischen Formelementen2 mm
Skizze: Messschieber über einem gedruckten Zylinder als Symbol für die AllgemeintoleranzAllgemeintoleranz±1,5 % (mindestens ±0,15 mm)
Skizze: Messschieber misst den Durchmesser einer gedruckten Bohrung (Bohrungstoleranz)Bohrungstoleranz±0,050 mm
Skizze: Schraube über einem gedruckten Innengewinde, Pfeile markieren die kleinste druckbare GewindegrößeKleinstes druckbares GewindeM2 und größer, geschliffenes Gewinde empfohlen
Skizze: Pfeil zeigt auf eine waagerechte Fläche in Schichtebene (Oberflächenrauheit in Schichtebene)Oberflächenrauheit in Schichtebene (waagerechte Flächen)Ra 0,4 µm
Skizze: Pfeil zeigt auf eine senkrechte Seitenfläche quer zu den Schichten (Oberflächenrauheit quer zur Schichtung)Oberflächenrauheit quer zur Schichtung (senkrechte Flächen)Ra 1,5 µm
Skizze: vergrößerter Voxel mit Pfeilen in X-, Y- und Z-Richtung als Maß für die Auflösung nach dem SinternVoxelgröße nach dem Sintern38 µm
Richtwerte für die Konstruktion von Bauteilen, die wir im Keramik-3D-Druck (Stereolithografie/DLP) fertigen.

Die folgenden Werte sind typische Grenzen für das CNC-Fräsen isostatisch gepresster Keramik-Grünkörper. Was im Einzelfall machbar ist, hängt von Geometrie, Wandstärke und der erforderlichen Nachbearbeitung ab.

DarstellungEigenschaft / AnforderungWert
Schema der maximalen Bauteilgröße beim Fräsen von Keramik: rote Pfeile zeigen X, Y und Z in einem transparenten HüllquaderMax. Bauteilgröße (ca.)X: 400 mm / Y: 500 mm / Z: 300 mm
Kleinste Bohrung beim Fräsen von Keramik: Zylinder in einem transparenten Block, rote Pfeile zeigen den BohrungsdurchmesserKleinster Bohrungsdurchmesser (ca.)0,05 mm
Verhältnis von Durchmesser zu Länge einer Bohrung: schmale zylindrische Bohrung in einem transparenten BlockBohrung: Verhältnis Durchmesser zu Länge (ca.)1:20
Minimale Wandstärke eines frei stehenden Keramikbauteils beim Fräsen, rote Pfeile markieren eine dünne WandMinimale Wandstärke (ca.)0,5 mm
Zylindrisches Keramikbauteil mit Messschieber als Symbol für die Allgemeintoleranz beim FräsenAllgemeintoleranz±1 % (mindestens ±0,1 mm)
Metallschraube über einer Gewindebohrung in einem Keramikblock als Symbol für das kleinste fräsbare GewindeKleinstes fräsbares Gewindeab M6; kleinere Gewinde müssen geschliffen werden
Ebene Keramikoberfläche mit rotem Pfeil als Symbol für die Oberflächenrauheit im gesinterten ZustandOberflächenrauheit (gesintert, ohne Nacharbeit)Ra 1,5

Diese Werte sind typische Grenzen für das Schleifen hochpräziser technischer Keramik in unserer eigenen Fertigung. Was machbar ist, hängt von Geometrie, Tiefe, Werkstoff und den geforderten Toleranzen ab. Wenn Sie unsicher sind, berät Sie unser Engineering-Team zur erreichbaren Genauigkeit.

DarstellungEigenschaft / AnforderungWert
Schema der maximalen Bauteilgröße beim Schleifen von Keramik: rote Pfeile zeigen X, Y und Z in einem transparenten HüllquaderMax. Bauteilgröße (ca.)X: 200 mm / Y: 300 mm / Z: 350 mm
Kleinster schleifbarer Bohrungsdurchmesser bei flachen KeramikgeometrienKleinster Bohrungsdurchmesser (flache Geometrien, ca.)0,2 mm
Minimale Wandstärke, die durch Präzisionsschleifen von Keramik erreichbar istMinimale Wandstärke0,1 mm
Einzelnes Keramikbauteil mit Messschieber als Symbol für die Allgemeintoleranz bei Prototypen und KleinserienAllgemeintoleranz (Prototypen, Versuchsteile, Kleinserien)±5 µm
Mehrere Keramikbauteile mit Messschieber als Symbol für die Allgemeintoleranz in der vollautomatisierten SerienfertigungAllgemeintoleranz (vollautomatisierte Serienfertigung)±10 µm
Sechskantschraube über einem Keramikblock mit Innengewinde als Symbol für das kleinste schleifbare InnengewindeKleinstes schleifbares InnengewindeAl₂O₃ und Si₃N₄: ab M2
ZrO₂: ab M1
Sechskantschraube über einem Keramikblock als Symbol für das kleinste schleifbare AußengewindeKleinstes schleifbares Außengewindeab M0,5
Polierte Keramikoberfläche mit ebenen und freigeformten Konturen als Symbol für spiegelpolierte Oberflächen durch PräzisionsschleifenOberflächenrauheit (Planflächen und Freiformflächen)bis Ra < 0,01 µm möglich (spiegelpoliert)
Zwei zylindrische Keramikgeometrien auf gemeinsamer Basis, roter Doppelpfeil zeigt den Abstand zwischen tiefen KonturenMindestabstand zwischen tiefen Konturen4 mm; bei kleineren Abständen kann durch Abdrängen des Werkzeugs eine Konizität entstehen

Das passende Formgebungsverfahren wählen

3D-Druck, Fräsen, Schleifen, Trockenpressen, Keramikspritzguss – das eine beste Verfahren gibt es nicht. Entscheidend ist: Was passt zu Ihrem Bauteil?

Wir helfen Ihnen, anhand von Geometrie, Toleranzen, Stückzahl und Oberflächenanforderungen den besten Weg zu finden. Manchmal ist es ein einzelnes Verfahren – oft aber eine durchdachte Kombination.

Vom Prototyp zur Serie

Ist Ihr Keramikbauteil für die Großserie gedacht, sieht der Ablauf häufig so aus: Ein Kunde kommt mit einem Problem zu uns, das zunächst mit funktionsfähigen Prototypen gelöst werden soll. Sind diese validiert, folgt eine kleine Funktionsserie – um sicherzustellen, dass Werkstoff und Geometrie unter realen Einsatzbedingungen tatsächlich funktionieren, bevor in Werkzeuge für Spritzguss oder Trockenpressen investiert wird.

Spritzguss und Trockenpressen bieten wir (noch) nicht selbst an. Stattdessen arbeiten wir mit einem Netzwerk bewährter Partner zusammen – viele davon unterstützen wir seit Jahren bei Prototypenbau und Entwicklung.

Entscheidend ist: Wir denken das spätere Serienverfahren vom ersten Tag an mit. Ihr Prototyp entspricht deshalb schon in Geometrie und Werkstoff dem, was in der Serienfertigung machbar und wirtschaftlich ist.

Warum die Großserie nicht unser Schwerpunkt ist

Bei der Großserienfertigung von Keramik geht es vor allem um eines: die Kosten pro Teil zu minimieren. Das erfordert hochgradig verschlankte Prozesse, ein schmales Teilespektrum und eine Unternehmensstruktur, die auf Durchsatz ausgelegt ist – nicht auf den Austausch mit dem Kunden.

Unser Ansatz ist ein anderer: Bei uns steht das Engineering an erster Stelle. Wir stellen Fragen, wägen Optionen ab und optimieren auf Funktion, nicht nur auf Kosten. Deshalb konzentrieren wir uns auf komplexe Geometrien, kleine bis mittlere Stückzahlen und anspruchsvolle Spezifikationen.

Die Konstruktion bestimmt die Kosten

Wir empfehlen dringend, Ihr Projekt mit uns zu besprechen, bevor das finale CAD-Modell oder die Baugruppe steht – denn Konstruktionsentscheidungen haben großen Einfluss auf die Kosten. Der Preisunterschied kann leicht ein Mehrfaches betragen. Die wichtigsten Punkte:

  • Keramik nur dort, wo sie gebraucht wird: Keramik ist voraussichtlich die teuerste Komponente Ihrer Baugruppe. Setzen Sie sie nur dort ein, wo sie wirklich unverzichtbar ist.
  • Keramikteile klein halten – aber nicht zu klein: Zu kleine Teile sind schwer zu handhaben. Beim 3D-Druck gilt: Der Preis steigt etwa mit der dritten Potenz der Bauteilgröße. Einen Sofortpreis liefert unser Online-Preisrechner.
  • Auf Standardwerkstoffe auslegen: Wählen Sie, wo immer möglich, kostengünstige Werkstoffe wie unser Aluminiumoxid (Al₂O₃).
  • Hartbearbeitung durch kluge Konstruktion vermeiden: Konstruieren Sie Baugruppen zum Beispiel so, dass keine engen Passungen oder nachbearbeiteten Schnittstellen nötig sind.

Sobald ein erster Entwurf Ihres Bauteils oder Ihrer Baugruppe vorliegt, ist der ideale Zeitpunkt, mit uns zu sprechen.

✉ info@hilgenberg-ceramics.de☎ +49 2624 927 99 90

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